Aktuell BasketballZum Wohl!

Am Samstag empfingen wir die Basket Dragons Marzahn, die Mannschaft, der wir in der Hinrunde nicht ohne Mitgefühl eine empfindliche Niederlage zugefügt hatten. Ging es für uns anschließend abwärts, wähnten wir uns wenigstens während dieses beispiellosen Auswärtsspiels im Obergeschoss des Himmels. Wir siegten damals sensationell mit 82:40 in einem Spiel, für das selbst Superlative maßlose Untertreibungen sind. Ihr erinnert Euch?

Diesmal erwarteten wir, um im Bild des Hinrundenspielberichts zu bleiben, Glutexo, die nächste Entwicklungsstufe von Glumanda. Für diese Entwicklung sammelte Marzahn in den folgenden Spielen nämlich die nötigen Erfahrungspunkte. Nachdem sie von Alba und Spandau noch aufs Übelste verprügelt wurden, folgten neben weiteren Niederlagen auch Siege gegen Pankow, Lichtenrade und Basketball Berlin Süd. Vom Bordstein konnte der Weg für die Dragons nur noch in Richtung Skyline führen.

Vor dem Spiel am Wochenende lag Marzahn zwar noch im Stadtplan, aber nicht mehr in der Tabelle etwas unterhalb von uns. Weil die Kreisliga das endliche Berliner Basketballuniversum nach unten begrenzt, ging es in dem Spiel zumindest um den virtuellen Klassenerhalt, nicht um Ruhm, aber um Ehre. Vor der Saison rief die Sportliche Leitung zudem horrende Summen als Prämien für den Fall der Fälle aus, dass man am Ende nicht wieder die rote Laterne in den Händen hielt.

Zeit, um ein Zeichen zu setzen. Unser Coach erschien stilsicher im Abstiegskampfanzug, unsere Ultras zündeten verbale Pyros und das Team war von Anfang an hellwach wie auf Speed. Sensible Seelen mögen sich über die martialische Metapher und Dichter über den miserablen Wortwitz empören, aber wir beabsichtigen, den Marzahnern die Zähne zu ziehen. Ohne örtliche Betäubung. Der Favorit ist nämlich entgegen einem landläufigen Vorurteil nicht prinzipiell privilegiert. Er darf sich keine Blöße geben und muss gewinnen wollen. Die Drachen hatten mit Sicherheit Rache geschworen und wollten Revanche für die Blamage.

Wir überspielten unsere Nervosität im Camouflage einer souveränen Performance. Step by step erarbeiteten wir uns einen Vorsprung, der von Marzahn nur aufgeholt, aber nie eingeholt werden konnte. Wir hatten immer eine Antwort wie das Orakel von Delphi und der SMS-Guru. Auf jeden Run von den Dragons folgte einer von uns. War das Ergebnis zur Halbzeit noch knapp wie ein Bikini, verloren sie im dritten Viertel wieder Meter wie ein Trabi auf einen Lamborghini. Im vierten Viertel legten wir noch einmal unfreiwillig Spannungsmusik auf. Wir schwächten uns selbst durch Foultrouble und bauten Marzahn in unseren obligatorischen manisch-desorientierten Minuten auf. Es gelang den Drachen, einige Dreier zu versenken und den Rückstand zu verkürzen. Einen Augenaufschlag vorm Abpfiff hatten sie die Gelegenheit, das Spiel mit einem weiteren Dreier auszugleichen und uns in die Verlängerung zu zwingen. Da wir anschließend aber bereits verabredet waren, verteidigten wir den Vorsprung ins Ziel und siegten verdient mit 69:66. Nicht unerheblich für die Energieleistung gegen Ende des Spiels war sicherlich die Aussicht auf den Kasten Bier, der uns bei erfolgreichem Spielausgang vom Vorstandsvorsitzenden versprochen wurde. Gleichwohl extrinsische Motivationsstrategien so wenig zu unterschätzen sind wie die vitalisierenden Wirkung isotonischer Getränke, haben wir uns únabhängig davon dank Training, Training, Training als Team so weit entwickelt, dass wir endlich enge Spiele zu unseren Gunsten entscheiden können. Darauf zum Wohl!