Das sehen wir anders…
… weil es, wenn Deutschland verliert, regelmäßig zu Nationalen-Ausschreitungen, -Diskriminierungen und anderen -Widerlichkeiten kommt
für die WM 2010 hier ein kleiner Überblick
… weil das DFB-Team die Fahne der BRD (Nationalfahne!) als Symbol hat
und nicht wie jeder normale Fußball-Verein sich seine Fahne selbst ausgedacht hat
… weil nicht einfach so jeder in der DFB-Auswahl mitspielen darf
man benötigt leider einen deutschen Pass
… weil die von der Mehrheit als nicht-deutsch identifizierten Spieler bei Siegen gelobt, bei Niederlagen gehasst werden
Und das nur die 2 Seiten einer Medaille aufzeigt, bei welcher nach „guten“, weil erfolgreichen und „schlechten“, weil unerfolgreichen „Migranten“ / „Menschen mit Migrationshintergrund“ / „Nicht-BIO-Deutsche“ unterschieden wird
… weil trotz eines positiven Bezugs auf „unsere Multi-Kulti-Truppe“ vergessen wird, dass Menschen inhaftiert sind und abgeschoben werden
… weil der zur WM 2006 verstärkt aufgekommene Nationalismus sich verfestigt hat und somit auch nach dem Ereignis weiter wirkt, wie die Uni Marburg in einer Studie nachgewiesen hat
… weil nach der WM 2006, als Deutschland im Halbfinale gegen Italien verlor, die Umsätze italienischer Restaurants in Berlin schlagartig für 3 Monate zurück gingen
… weil nach der WM 2006, Wirte und Bundesbürger (die als Italiener ausgemacht wurden), teilweise zum ersten Mal in Ihrem Leben Anfeindungen ausgesetzt waren
… weil die Bundesregierung die WM und EM regelmäßig dazu benutzt, um unpopuläre Entscheidungen zu treffen und umzusetzen
bekommt im Deutschland-Feier-Taumel ja eh niemand mit
… weil wir Politik nicht nur als in Parlamenten vorhanden verstehen, sondern als die tägliche Auseinandersetzung mit sozialen Beziehungen!
Und weil das alles mit diesem Staat, der Geschichte, der Welt und dem Zusammenleben aller Menschen zu tun hat sollte jede Person jedes Fußballspiel, wie auch jede andere Äußerung als durchaus politisch und zusammenhängend betrachten. Fußball findet nicht im luftleeren Raum statt! Daher haben Deutschland-Fahnen, -Farben und sonstiger „Deutschland“-Merchandise nichts bei uns zu suchen. Nicht gestern, nicht heute, nicht morgen.
Vorschlag:
- das DFB-Team entwickelt eine eigene Corporate Identity (Unternehmenspersönlichkeit) mit eigenen Farben, eigenem Logo und eigenem Merchandise
- für jeden Fußballspielenden, der ein Fußballtor aus 11-Meter Entfernung trifft, setzt sich der DFB ein die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten (wenn vom Spielenden gewollt)
Für alle, die heute keine Lust auf richtiges Finale haben:
Am Tag des Endspiels um die Fußball-WM 2002 treten
die beiden schlechtesten Teams der Weltrangliste gegeneinander
an, Bhutan und Montserrat. Eine witzige Doku
zur Liebe zum Fußball, die noch an die Eine-Welt-Romantik
glaubt.
11.07. um 21.30 Uhr in der “Tristeza“
Die Tristeza als antinationaler Parcour: Fussballkritisches, nicht nur zur WM, im besten Gewand. Kommt in Teams zu unserem interaktiven Quiz-und Spieleabend und lacht über Dinge aus dem schwarz-rot-goldenen Ballkosmos. Wissen hilft nicht immer weiter - an mehreren Stationen sind eure Spontaneität im kreativen Umgang mit der deutschen Fussballwelt gefragt. Zu gewinnen gibt es einiges, doch auch ihr sollt etwas beitragen und deswegen die erste Aufgabe gleich hier: Bringt uns ein Stück vom “Größten Scheiß vom Merchandise”! Durchsucht noch vor dem Abend die Bastionen des nationalen Kitsches und bringt das Kurioseste mit. Essbare Unterwäsche in Nationalfarben? Schwarz-rot-geil-Bier, dass die Zeit ansagt? Egal, ihr denkt euch eine kleine Geschichte dazu aus und die besten werden prämiert. Wir wünschen euch einen tollen Abend, ihr könnt gespannt sein! …und reine Männerteams können mit Minuspunkten rechnen!
Es referieren:
Frank Rijkaard, Spucker der Nation
Lothar Matthäus, Englischlehrer, ehem. Fußballgott
Jürgen Sparwasser, Bezwinger des kapitalistischen Systems
Die Reportage deckt auf subtile Weise auf, wie weit
Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit im Fußball tatsächlich
verbreitet ist - und zwar auf allen Ebenen
27.06. um 21.30 Uhr in der “Tristeza” (Panierstr. 5, Berlin Neukölln)
… ein paar Beispiele:
ROTER STERN NORDOST BERLIN
Gegründet Ende 2005, um in Berlin ein Gegenpol zu den bisherigen Sportangeboten anzubieten. Wir suchen die Auseinandersetzung mit „rechten“ Einstellungen und diskriminierendem Verhalten. Öffentlich, mit anderen Vereinen und vor Allem bei uns selbst. 128 Mitglieder sind derzeit im Verein und üben und übten seither die Sportarten Fußball, Futsal, Basketball und Tischtennis aus.
„Wir freuen uns auf die Teilnahme von mittlerweile 12 Teams mit dem Namen Roter Stern. Zu unserem 5. Geburtstag können wir uns kaum ein schöneres Geschenk vorstellen als den größten Roten Stern Cup in der Geschichte austragen zu dürfen“, so Julius Martin, Pressesprecher Roter Stern Nordost Berlin.
ROTER STERN FLENSBURG
Gegründet im Frühjahr 2009. Ausschlaggebend waren einige jugendliche Freizeitkickboxer sowie eine Reihe von Fußballern die in diversen Sportvereinen und Freizeitgruppen organisiert waren und ihrer sportlichen Betätigung lieber selbstverwaltet in einem solidarisch organisierten Verein nachgehen wollten. Die Ablehnung von Rassismus und Diskriminierung sind fester Bestandteil unserer Vereinskultur. 60 Mitglieder sind in den Sparten Fußball und Kickboxen aktiv. Eine zweite Fußballmannschaft und ein Frauenteam sind im Aufbau.
„Dem Stern Cup sehen wir mit großer Vorfreude entgegen und fühlen uns sehr geehrt über die Einladung. Wir freuen uns auf den Austausch mit anderen sportlich aktiven Menschen die eine alternative Vereinsstruktur organisiert haben und hoffen befruchtende Eindrücke mit in unseren Vereinsalltag nehmen zu können.“, so Till Arfsten, Vorstandsmitglied Roter Stern Flensburg.
ROTER STERN WEHRINGHAUSEN
Gegründet 1993 von den Jusos in Hagen die gekickt haben und sich dem Verband anschließen wollten. 110 Mitglieder spielen derzeit Fußball, Starball, Basketball, Boule und Les Parcours.
„Mit 17 Jahren sind wir fast erwachsen, aber immer noch Rot, immer noch anders, immer noch kritisch und immer noch nicht verdorben. Wir sind ein Sportverein und wollen ein gutes Beispiel sein, wie man ohne allzu viel Vereinsmeierei dennoch für eine breite Gruppe Menschen viel erreichen kann. Spielen muss Spaß machen ist unsere Devise und ganz wichtig dabei ist: Sport ohne Spacken“, so Uli Schäfer, Präsident Roter Stern Wehringhausen.
ROTER STERN PANKOW
1989 gegründet. Es ist der Versuch, Fußball auf höchstem Niveau zu spielen, ohne den üblichen Vereinszwängen zu unterliegen. Wir existieren seit über zwanzig Jahren jeden Sonntag auf dem Platz und rund um die Uhr in den Herzen und Köpfen seiner rund zwanzig Mitglieder. Es gibt keine Statuten, keine Mitgliederlisten, keine Wahlen und keine Zwänge.
ROTER STERN LÜBECK
Gegründet am 20.08.2008 zur Schaffung einer linken Alternative zur Vereinslandschaft in Lübeck. Bisher haben wir es auf 105 Mitglieder gebracht. Sportarten zur Zeit sind Fußball, Laufen, Radwanderen und Minigolf.
ROTER STERN EISBÄREN
Wann der Rote Stern Eisbären gegründet wurde, wissen wir nicht (mehr). Wir wissen ja nicht einmal, wie so eine Gründung überhaupt funktioniert. Ein eingetragener Verein sind wir nämlich nicht, und auch kein offizieller Fanclub der Eisbären. Deshalb haben wir zudem überhaupt keinen Überblick, wie viele Verrückte sich als RSE-Sympathisant_innen bezeichnen würden. Präsidium, Vorstand, Pressesprecher, Schatzmeister? Fehlanzeige!
Was uns verbindet? Auch diese Frage ist kompliziert zu beantworten. Unsere Lieblingsfarben sind so verschieden wie der Musikgeschmack, und sogar den einen oder anderen Deutschlandfan in unseren Reihen lassen wir unbehelligt – zumindest während der WM. Zu Demos kommen immer ein paar, aber selten immer dieselben Gesichter. Als kleinste gemeinsame Nenner wäre wohl die körperlich-geistige Nähe zur Antifa und zu den Eisbären aufzuzählen. Immerhin – wir setzen Prioritäten!
„Als ich noch in Bremen war, hörte ich, dass unser Masseur
schwul ist.“ Reaktion Rudi Assauers, Ex-Manager
von Schalke 04: „Ich habe ihm gesagt: Junge, tu mir einen
Gefallen: Such Dir einen neuen Job.“.
Schon seit vielen Jahren fragen Medien und Sportvertreter
danach, doch passiert ist bisher nichts: Wann outen
sich die ersten aktiven Fußball spielenden Frauen und
Männer als homosexuell? Klar ist: Einige sind homosexuell,
verstecken sich jedoch: Mit Alibi-Ehe, Alibi-Kindern
und damit zu weiten Teilen Alibi-Leben.
Offene und versteckte Spielarten von Homophobie befinden
sich bei Vereinen und Verbänden ebenso wie bei den
Spielenden selbst und deren Fans. Und das obwohl sich
diese im Fußball weit öfter körperlich nahe sind als im
restlichen gesellschaftlichen Leben. Oder sind Sie gerade
deswegen besonders homosexuellenfeindlich?
Es würden diejenigen, die sich outen, plattgemacht von
ihren Mitspielern und von den Leuten im Stadion. „Diese
Hetzjagd sollte man ihnen ersparen.“, so Assauer.
Wir werden aktuelle Erscheinungsformen von Homophobie
im Fußball benennen und Praxisbeispiele vorstellen,
die sich klar dagegen positionieren.
Es referieren:
Tanja Walther-Ahrens, European Gay and Lesbian Sport Federation
Torsten Siebert, Projektleiter Respect Gaymes
Karl Kreile, Sportverein für Schwule und Lesben Berlin e.V.
24.06. - 19:30 Uhr, “Tristeza”, im Rahmen der Reihe “Aktiv im Abseits“
Der Film erzählt von Ashraf, Mne, Zoliswa und Arnold, ihrem Leben in den Armenvierteln rund um Kapstadt, von Zwangsräumungen und Wassersperrungen und bösen Erinnerungen an die Zeit der Apartheid.
20.06. - 21.30 Uhr, “Tristeza”, im Rahmen der Reihe “Aktiv im Abseits“
Mit der WM rückt Südafrika in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit. Viele, die es lieber lassen sollten, werden in den nächsten Wochen ihre Meinung zu den Verhältnissen am Kap kundtun. Bei der Veranstaltung geht es um Frage, wie das Land und seine umkämpfte Geschichte wahrgenommen und repräsentiert werden und wie sich die gesellschaftlichen Machtverhältnisse in den letzten Jahren verändert haben. Dies bezieht auf den Wandel des Rassismus, neue soziale Spaltungslinien und die damit verbundenen Kämpfe von unten.
Es referiert:
Romin Khan, Mitherausgeber von „Südafrika - Die
Grenzen der Befreiung“, Assoziation A, Berlin
15.06. - 19:30 Uhr, “Tristeza”, im Rahmen der Reihe “Aktiv im Abseits“
Die dramatische Rekonstruktion eines Spiels zwischen dem ukrainischen Zwangsarbeiterteam „FC Start” und einer deutschen Luftwaffen-Mannschaft zeigt zugleich das Zusammenspiel von Fußball und Nationalsozialismus.
13.06. - 21:30 Uhr, “Tristeza”, im Rahmen der Reihe “Aktiv im Abseits“
April 2010: Der Rote Stern Leipzig ist zu Gast im sächsischen Mügeln. Am Rande grölen 50 Neonazis immer wieder die Sprechchöre „Juden“ und „ein Baum, ein Strick, ein Judengenick“. Als in der 80. Minute das berüchtigte U-Bahn-Lied, in welchem die Hauptzeile lautet „Eine U-Bahn bauen wir, von Jerusalem bis nach Auschwitz“ gesungen wird, bricht der Schiedsrichter das Spiel endlich ab.
Fragt man ostdeutsche Fußballfans, wieso sie solch menschenverachtende Parolen singen oder zumindest in ihrem Block dulden, erntet man Achselzucken oder Ausreden. Zum Beispiel, dass dieser Slogan schon zu DDR-Zeiten gerufen wurde, wenn der BFC Dynamo zu Gast war oder Union Berlin, um diese zu provozieren. Den Gegner als Juden zu bezeichnen gilt demnach in
einzelnen Fankreisen als die unterste Schublade der gegenseitigen Beschimpfung im Fußballstadion. Ebenso wie in der Gesellschaft. Doch wieso ist diese Art der antisemitischen Provokation gerade im Osten Deutschlands derart verbreitet?
In dem Vortrag werden jene historische Kontinuität des Antisemitismus im ostdeutschen Fußball sowie seine Verwurzelung in der Fanszene skizziert und analysiert.
Es referiert:
Michael Zantke, Student der Politikwissenschaft
10.06. - 19:30 Uhr, “Tristeza”, im Rahmen der Reihe “Aktiv im Abseits“

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