Aktuell BasketballGewonnen ohne zu siegen

Es heißt, die Sieger schreiben die Geschichte. Gewiss. Es schreibt sich schließlich leichter über Siege. Andererseits machen Niederlagen einfallsreich. Tausende Phrasen wurden von den Unterlegenen zum Besten gegeben, um den Schmerz zu stillen und die hässliche Wahrheit aufzuhübschen. Tausende Reden stilisierten das Scheitern zum Moment absoluter Erkenntnis. Das dritte Spiel in Folge ohne Sieg hinterlässt den bitteren Nachgeschmack von Enttäuschung und behält ihn, weil wir wissen, dass wir die fachkundigen Fans des Roten Sterns Nordost Berlin nicht täuschen können. Sekt oder Selters ohne Kohlensäure. Punkte werden nicht geteilt. Gespielt wird bis zum Sieg eines Teams. Auch am Samstag in eigener Halle im Wiederholungsspiel gegen IK Olympia Mitte waren dieses Team nicht wir. Am Ende verloren wir verdient mit 55:90. Wie schon gegen die SVB Brauereien kamen wir nicht schlecht ins Spiel hinein, obwohl die Baller aus Mitte mit mehr Routine ausgestattet und auch noch athletischer waren. Da sie nur mit sieben Spielern in die Hagenbeckhalle ans Arschgeweih Weißensees reisten, versuchten wir sie, zu Beginn mit Erfolg, in Foultrouble zu bringen. Nach 10 Minuten waren 8 Fouls zu verbuchen, für Mitte – aber auch für uns. Unseren Spielern gelangen derweil zu wenig gefällige Spielzüge, sodass wir nach dem ersten Viertel schon mit 11 Punkten das Nachsehen hatten. Unsere Zonenverteidigung kam auch im zweiten Viertel zu oft zu spät gegen einen ansehnlich kombinierenden Gegner. Zur Halbzeit lagen wir 16:42 zurück. Durch unsere überlegene Rotation und überlegte Worte der Motivation gestalteten wir das Spiel im dritten Viertel wenigstens ausgeglichener. Endlich fielen die Würfe in den noch vor der Pause wie vernagelten Korb. Unsere Defense ließ auf der anderen Seite aber zu viele einfache Punkte zu, verschenkte sie wie ein zu guter Gastgeber geradezu und versäumte es Schadensbegrenzung zu betreiben. 70:30 war die folgerichtige Führung vor dem vierten Viertel – für das falsche Team. Dieses gewannen wir gegen einen Gegner, der, was der Redlichkeit wegen nicht verschwiegen werden sollte, die Waffen streckte und es geruhsamer anging. Wir hingegen atmeten die sprichwörtliche zweite Luft und den Geist, der stets verneint. Nein, wir ergaben uns nicht unserem Schicksal, sondern zeigten, wozu wir imstande sind – wenn der Gegner mit angezogegener Handbremse spielt. Dem IK Olympia Mitte gilt unser Kompliment genauso wie einer allein pfeifenden Schiedsrichterin, die es nicht immer leicht mit uns hatte und unseren entspannten und unverkrampften Kampfrichtern. Nicht trotzdem, sondern gerade deswegen kann man dieser unvermeidlichen Niederlage aber auch etwas Gutes abgewinnen. So einfach Basketball in der Theorie sein kann und von unseren Kontrahenten aus Mitte praktiziert wurde, so schwierig ist es für ein Team wie uns in die Tat umzusetzen. Wir wissen nun, wo wir stehen und worum es gehen sollte. In den intensiven Diskussionen erinnerten wir uns daran, was im Eifer des Gefechts bisweilen in Vergessenheit geriet, dass wir Basketball erstens aus Liebe und zweitens aus Leidenschaft spielen und dass Priorität genießen sollte, an sich selbst und nicht an den anderen zu arbeiten. Genau das werden wir in Zukunft tun. mh