Fangemeinschaft Nordost

Die organisierten Fans des Roten Stern Nordost Berlins

Der Turnvater, ein Antisemit und Rassist!

Friedrich Ludwig Jahn gilt allgemein als Begründer der deutschen Turn- und Sportbewegung. Die von ihm mit herausgegebene Schrift ‘Die Deutsche Turnkunst’ aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellt noch immer eine wichtige Grundlage für den heutigen Sportbetriebs dar. Von einer breiten Öffentlichkeit wird Friedrich Ludwig Jahn bis heute weitgehend unreflektiert verehrt. So sind überall in Deutschland – in Ost wie West gleichermaßen – Sportplätze, Schulen und Straßen nach dem so genannten Turnvater benannt.


Hetzschrift eines Turnvaters: Friedrich Ludwig Jahns „Deutsches Volksthum“

In seinem 1810 veröffentlichten politischen Hauptwerk beschreibt Friedrich Ludwig Jahn ziemlich deutlich seine Vorstellungen über das deutsche Volk. Jahn träumte von einem geeinten Deutschland als tendenziös totalitären Nationalstaat. „Mit dem Staate, durch ihn für ihn und in ihm wird der Bürger fühlen, denken und handeln; er wird mit ihm und dem Volke eins sein im Leben, Leiden und Lieben.“ Dieser Staat zeichnete sich zunächst durch die militärische Kindes- und Jugenderziehung, ausschließlich mittels deutschen Sports, deutscher Lieder, ausgewählter deutscher Literatur und nationaler Staatskunde aus.

So verband Jahn die – damals fortschrittliche – Schulpflicht mit seiner völkischen Lehre. Alles, was im Sinne einer Allgemeinbildung über die eigenen Landesgrenzen hinausging, lehnte er strikt ab. „Nur eine Mutter hat jeder Mensch, eine Muttersprache ist für ihn genug.” Die sich gerade etablierenden Ideale der Aufklärung werden von Jahn als große Gefahr für die deutschen Bevölkerung angesehen, als „Ausbrüche eines Feuerbergs“, die ein „Heere von Gräueln“ mit sich brächten.

Er sprach jedem Ausländer bürgerliche Rechte ab, solange er nicht nach eingehender Wesens- und Loyalitätsprüfung deutscher Staatsbürger geworden ist. Jahn macht die Identität eines Volkes vom Territorium abhängig, auf dem ein Mensch geboren wird. So werden die Bedürfnisse der Deutschen an der Fruchtbarkeit des Preußischen Bodens ausgemacht, welcher die Notwendigkeit des Volkes zu schweren Leibesarbeiten erfordere.

Diese seien selbstverständlich anstrengender, als die anderer Völker: „Stärke und Ausdauer, was doch die wahre Siegeskraft ist, wagt ihm kein Überrheiner und Überalper abzuleugnen; denn das bloße äußere Ansehen würde zu auffallend Lügen strafen.“ Jahn war fest von einer Hierarchie der Rassen überzeugt, wobei die Deutschen selbstredend den Spitzenplatz einnahmen. Denn „von der Hitze, die Mohren sengt, bis zum Frost, der Polarmenschen einschrumpft“ seien die anderen Völker den Deutschen weder körperlich noch geistig gewachsen.

Selbstredend war Jahn der Schutz und Ausbau des Lebensraumes für die deutsche Rasse ein hohes Anliegen, denn „Staat und Volk in eins geben erst ein Reich, und dessen Erhaltungsgewalt bleibt das Volkstum.“ Die Verbindung zwischen dem gepriesenen deutschen Wesen und seiner Fähigkeit, es zu verbreiten, war für Jahn der Turnsport. Wie auch sein Lehrer GutsMuths trat Friedrich Ludwig Jahn für die Einführung eines allgemeinen Turn- und Sportunterrichts an deutschen Schulen ein. Jedoch lag ihm hierbei nicht unbedingt die körperliche Gesundheit der deutschen Jugend, sondern vielmehr ihre Wehrausbildung am Herzen. Leider griff später auch GutsMuths diesen populären Gedanken Jahns auf.

Die von Jahn ersonnenen Übungen wurden vor allem auf Grund ihrer Tauglichkeit für spätere Soldaten beworben: Laufen, Springen, Klettern, Schwimmen. Noch dazu waren zur Durchführung dieser Wehrertüchtigung keine besonderen Übungsanlagen von Nöten. Ganz ohne staatliche Mittel konnte beinahe überall trainiert werden. Der so genannte Waffensport war darüber hinaus die zweite Säule der Wehrertüchtigung der Jugend. Spiele, wie Ballsport etwa, eigneten sich hierfür nicht und waren daher nicht erwünscht.

Das Turnwesen sollte die gesamte Gesellschaft erfassen – auch die weibliche Hälfte. Die Frau, sonst von Jahn als „Herrin ihrer eigenen Kreise“ (Haus, Hof, Kinder) betrachtet, durfte sich auf ihre Weise an den Turnübungen beteiligen. Hierbei versteht sich der Turnvater als ein Kenner der weiblichen Anatomie. „Die Leibesübungen bleiben nicht ausgeschlossen, freilich müssen sie mäßig und weiblich getrieben werden. […] Schießen, das heißt, eine leichte Flinte abfeuern, mit der Pistole leidlich treffen, um nicht kunstgerecht wehrlos zu sein und beim Knall des Gewehres zusammenzufahren, wie Gänse beim Donner, ist höchst notwendig. Fechten ist unnatürlich, es verstiert den wilden Blick und bleibt immer dem weiblichen Körperbau zuwider.

Jahn betrachtete die Wehrfähigkeit von Frauen als letzte Reserve im Kriegsfall. Erst der „Landsturm“ würde Frauen zur Waffe zwingen, auf dass „[…] das schwächere Geschlecht strahlt im Heldentum.

Verehrung eines Reaktionären – Tradition, die verpflichtet

Gefesselt lag das deutsche Land / In wälscher Sklaverei, / Das Deutsche war verpönt, verbannt, / Verschwunden Ehr’ und Treu. / Da büßten Viele ein den Muth; / Bei all dem Trug und Wahn; / Doch echtes deutsches Mannesblut / Pocht in der Brust von Jahn!” anonymer Verfasser, veröffentlicht in einer Berliner Zeitung am 11. August 1861.

Friedrich Ludwig Jahns wurde in allen Epochen der neueren deutschen Geschichte als großem deutschen Nationalhelden gehuldigt. Angefangen bei dem deutschen Kaiserreich, anschließend in der Weimarer Republik, dann während des Nationalsozialismus, in der alten Bundesrepublik genauso wie in der DDR und letztendlich noch heutzutage. Und das, obwohl er nicht, wie gerne behauptet wird, der Begründer der Turnerbewegung in Deutschland war. Dies war viel eher der weitaus liberalere Johann Christoph Friedrich GutsMuths.

Nichtsdestotrotz wurde nach Jahns Tod sein Erbe von völkisch-nationalistischen Verbänden aufgegriffen und so bezog man sich recht schnell auf ihn als den „Vorkämpfer“ der „deutschen Einheit“ und dem Erfinder des deutschen Turnens. 1928 wurde er in der ‘Deutschen Turnzeitung’ zum „ersten Großdeutschen im modernen Sinne“ stilisiert. Sein Wirken in „schwerer Zeit” müsse Vorbild für eine neue „nationale Erhebung“ sein. Diese erfolgte bekanntlich 5 Jahre später und – kaum verwunderlich – die Nationalsozialisten knüpften nahtlos an dieser Interpretation des Jahnschen Schaffens an. In der Heldenverehrung der Nazis konstruierte man eine historische und ideologische Linie, die von Martin Luther über Friedrich Ludwig Jahn, Otto von Bismarck zwangsläufig bei Adolf Hitler landen musste. So war man der Ansicht, dass „[…] das was Jahn ersehnte, unter Hitler zur endlichen Tat“ wurde. Letztendlich endete diese gern konstruierte Traditionslinie in der Aussage: „Jahngeist ist Hitlergeist“.

Diese Verehrung Jahns durch die Nationalsozialisten wurde am Ende sogar noch praktisch. Ab dem 30. März 1945 wurde auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog das Artillerie-Regiment ‘Friedrich Ludwig Jahn’ aufgestellt. Was für eine Parallele! Heutzutage ist der ehemalige preußische Exerzierplatz des Alexander-Regiments ein öffentliches Gelände mit dem Namen Friedrich Ludwig Jahn Sportpark, und das mitten im alternativen Stadtteil Prenzlauer Berg…

Ob Ost, ob West… Nichts ist ein Staat ohne Volk

Bemerkenswerterweise wurden in Deutschland – sowohl im Osten, wie im Westen – nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wieder Schulen, Stadien ebenso wie Straßen nach dem reaktionären Turnvater benannt. Es gibt sogar Museen, in denen das völkisch-nationalistische Erbe Jahns an die nachfolgenden Generation weiter gegeben wird. Der positive Bezug auf die „heilige Verbindung“ von Volk und Staat ist jener – scheinbar unsichtbare Faden – der auf beiden Seiten der Mauer das fortdauernde deutsche Erbe darstellte. Jahn war hierfür der ideale Stichwortgeber: „Nichts ist ein Staat ohne Volk, ein seelenloses Kunstwerk; nichts ist ein Volk ohne Staat, wie die weltflüchtigen Zigeuner und Juden.“ (Deutsches Volksthum).

Nach der industriellen Vernichtung von Juden, der Verfolgung von Zigeunern war die deutsche Bevölkerung der Meinung, die Zentren der Erziehung ihrer Jugend (Schulen, Sportplätze, Museen) nach einem Vordenker des Rassismus und Antisemitismus benennen zu müssen. Nach einem Vordenker des Nationalsozialismus.

Sodomie, Aftersport und Mohren –
Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Prenzlauer Berg

Obwohl viele Äußerungen von Friedrich Ludwig Jahn heutzutage den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen würden, wird er im deutschen Sportwesen noch immer verehrt wie kein Zweiter. Wie zynisch diese Berufung auf Friedrich Ludwig Jahn ist, zeigt eine nähere Betrachtung des gleichnamigen Sportparks in Berlin-Prenzlauer Berg.

Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist eine etwa 22 Hektar große Sportanlage im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Neben Trainingsplätzen für Fußball, Tennis, Laufsport und Beachvolleyball befindet sich das mit 20.000 Sitzplätzen zweitgrößte Fußballstadion Berlins auf dem Gelände. Damit bildet die Anlage den größten Sportpark im nördlichen Zentrum Berlins. Als Sportstätte wurde sie 1951 eröffnet. Anlässlich des 100. Todestages Friedrich Ludwig Jahns – ein Jahr später – erfolgte die Umbenennung nach dem Turnvater. So wurde sieben Jahre nach dem militärischen Sieg über den Nationalsozialismus in Europa, ein Sportpark in der Hauptstadt der DDR nach einem Rassisten und Antisemiten erster Güte benannt.

Auch spricht die konkrete Nutzung des Geländes stark gegen die Namenspatenschaft. So galt Fußball vor hundertzwanzig Jahren in Deutschland als zutiefst “undeutsche” Beschäftigung. Es galt als unschicklich für Männer, sich öffentlich in kurzen Hosen zu zeigen und vor allem stammte der Sport aus dem Land des ewigen Erbfeindes: England. Trotzdem gründeten sich Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Fußballvereine – hauptsächlich in Süddeutschland. Das Fußballspiel war vor allem attraktiv für die diskriminierte jüdische Bevölkerungsgruppe. In vielen Turnervereinen durften sie – ganz im Sinne Jahns – nicht Mitglied werden oder wurden zumindest durch die vorherrschenden antisemitischen Ressentiments benachteiligt. Die deutschnationale Turnerschaft wehrte sich – mit engem inhaltlichen Bezug auf Jahn – vehement gegen den vermeintlich schädlichen Einfluss des „englischen Aftersports“ auf die deutsche Jugend.

Interessant erscheint ebenfalls die Frage, was Friedrich Ludwig Jahn, dem die Ehe heilig war und der Ehebruch gar mit Entzug der deutschen Staatsangehörigkeit bestraft wollte, von den ‘Respect Gaymes’ gehalten hätte. Diese Veranstaltung wird jährlich vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark organisiert. Diese beinhaltet Fußballturniere zwischen Mannschaften jeglicher sexueller Orientierungen bzw. Identitäten und Teams, die vorwiegend aus Spielern mit Migrationshintergrund bestehen. Hierbei soll die Verständigung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen vorangetrieben und gegenseitiger Diskriminierung entgegengewirkt werden. Dem Turnvater wäre all dies wohl als Huldigung der Sodomie (so die damalige Bezeichnung für Homosexualität) in besonders volkszersetzender Form erschienen.

Angesichts der integrierenden Wirkung des Sports, vor allem des von den Jahnjüngern so geschmähten Fußballs, ist die derzeitige Namensgebung nicht nur inakzeptabel – sie ist Hohn und Spott für die Menschen, die diesen Sportpark tagtäglich nutzen! Im Sinne eines aufgeklärten Menschenbildes ist die schnellstmögliche Umbenennung des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks mehr als notwendig. Sie ist längst überfällig!

Friedrich Ludwig Jahn war kein Vordenker des Sports, er war ein deutscher Rassist, Militarist und Antisemit! Öffentliche Einrichtungen nach ihm zu benennen, ist eine deutliche Absage an alle zivilisatorischen Werte. Die unerträgliche Namensgebung eines Ortes der Freude, der gemeinsamen sportlichen Aktivität und somit der Verständigung über alle Grenzen hinweg, muss schnellstmöglich der Geschichte angehören!

Mehr findet Ihr dazu bei Facebook…

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Der erste Punkt für die Zweite.

Am vergangenen Samstag war es endlich so weit. Der heiß ersehnte Ligastart der Zweiten Mannschaft des Roten Stern Nordost Berlin in ihre erste Freizeitliga-Saison stand auf dem Plan. Lange wurde auf diesen Tag hingearbeitet. Die Mühen im Training und das schweißtreibende Trainingslager sollten nun mit drei Punkten und einem somit gelungenen Saisonstart belohnt werden. Bestes Fussballwetter erwartete unsere Kicker vom Roten Stern im heimischen Stadion Buschallee. Als Vorjahresletzter der vergangenen Saison war die BSG KAB Berlin AG zum ersten Kräftemessen der neuen Saison angereist. Trotz einer langen Verletztenliste konnte die ausgegebene Marschroute für unser ambitioniertes Team also nur heißen: Sieg! Zu diesem Anlass waren auch viele treue Anhänger und organisierte Fans des Roten Stern erschienen. Diese wussten gleich zu Beginn mit Pyrotechnik eine angemessene Atmosphäre für dieses Ereignis zu schaffen, und die Vorfreude auf den Anpfiff noch mehr zu schüren. Banner, kreative Spruchbänder, Fahnen und die gewohnt sicheren Sprechchöre waren eine zusätzliche Motivation für unsere Spieler auf dem Feld. Diese wiederum traten zum ersten Mal mit den wirklich schön anzuschauenden neuen Trikots an, welche natürlich auch gebührend mit einem ersten Achtungserfolg eingeweiht werden sollten. Um 12:30 Uhr war es dann amtlich, der Anstoß zu einer hoffentlich erfolgreichen Saison war erfolgt!

Schon gleich zu Beginn war zu erkennen, welches der beiden Teams die Heimmannschaft war und demzufolge das Heft in die Hand nehmen wollte. Unter der Vorgabe von Spieler-Trainer Falko G., gleich in den ersten 15 Minuten Vollgas zu geben, spielten die Roten Sterne beherzt nach Vorne. Folglich ergaben sich schon in der Anfangsphase gute Gelegenheiten für unser Team in Führung zu gehen. So scheiterte Kapitän Georg S. (3‘) mit einem Schuss von halbrechts am gegnerischen Torwart, wohingegen nur kurze Zeit später Christian T. mit einem fulminanten Fernschuss (5‘) und Johannes F. mit einem Kopfball nach einem Eckstoß (6‘) das Tor leider verfehlten.

In der Folgezeit kontrollierte der Rote Stern die Partie und ließ nur wenige Chancen des Gegners zu. In der 18. Minute kam es dann aber doch zu einer ersten Schrecksekunde für die Anhänger des RSNOB II, als ein grober Abwehrschnitzer kurz vor dem eigenen Strafraum zum Glück nicht mit einem Gegentor bestraft wurde. Wachgerüttelt durch diese Szene erspielten sich unsere Kicker in kurzer Aufeinanderfolge zwei sehr gute Tormöglichkeiten. Während ein kraftvoller 18m-Schuss (19‘) von Mittelstürmer Erik V. noch vom gegnerischen Verteidiger abgeblockt werden konnte, vereitelte der Torwart der BSG KAB Berlin nur eine Minute später (20‘) mit einer guten Parade gegen einen Schuss von Falko G. das 1:0 für den Roten Stern.

In der 28. Minute wurde der Spielverlauf dann durch die überraschende Führung der Gäste völlig auf den Kopf gestellt. Ein individueller Fehler in der Innenverteidigung und ein, für den Roten Stern Schlussmann Rene D., unhaltbarer Schuss ins linke Eck besiegelten das 0:1 für die BSG KAB Berlin. Wieder einmal schien ein altes Sprichwort im Fussball zu greifen: Wer vorne die Tore nicht macht, wird hinten bestraft.

Verunsichert durch das Gegentor schlichen sich nun Fehler in das zuvor solide Aufbauspiel des Roten Sterns. In der 34. Minute war es nur dem gegnerischen Stürmer, welcher das leer stehende Tor verfehlte, zu verdanken, dass es nicht schnell 0:2 hieß. Kurz vor der Halbzeit sammelte sich unser Team aber wieder und rannte nun wütend an, um diesen Fauxpas und das Ergebnis noch vor der Pause wieder zu korrigieren. Erst verfehlte ein abgefälschter Freistoß von Falko G. (38‘) nur knapp das Tor. Beim anschließenden Eckstoß von Christian T. kam Erik V. frei zum Kopfball (39‘), konnte diesen aber leider nicht im gegnerischen Gehäuse unterbringen. Im Anschluss faustete der unsicher wirkende und bis dahin noch zu selten geprüfte Torwart der Gäste einen strammen Fernschuss von Falko G. (42‘) aus der Gefahrenzone. Kurz vor der Pause (43‘) ereignete sich dann die beste Gelegenheit zum Ausgleich. Nach einer Hereingabe von Erik V. von der rechten Seite, kam es im 5m-Raum durch Jerome und, den ein ums andere Mal aufgerückten Linksverteidiger, Hauke K. zur größten Chance der 1. Halbzeit, welche aber leider ungenutzt blieb. Und so ging es dann nach 45 eigentlich starken Minuten des Roten Sterns mit einem, für die Gegner glücklichen, 0:1 in die Kabine.

Im Resümee der 1. Halbzeit bleibt festzuhalten, das der RSNOB II aus einer geordneten Abwehr heraus das Spiel im Mittelfeld kontrollierte, sich zahlreiche Chancen erspielte, aber im Abschluss glücklos agierte. Wohingegen drei individuelle Fehler im Spielaufbau zu den einzigen Tormöglichkeiten des ansonsten harmlosen Gegners und zum Gegentor führten.

Frisch motiviert legten unsere Sterne in der 2. Halbzeit nun ein noch höheres Tempo vor. So rauschte Erik V. nur knapp mit einem Flugkopfball (47‘) in aussichtsreicher Position nach einer Flanke von Georg S. unter den Ball hindurch. Dies war der Auftakt zu einer starken Aufholjagd in den kommenden 40 Minute. Die Halbzeitumstellung, Georg S. rutschte in die rechte Mittelfeldposition, bereicherte das Spiel des Roten Sterns, welcher nun noch druckvoller über die Flügel nach vorne spielen konnte und folglich zu vielen Schuss-Chancen kam (Falko G. 51‘ u. 61‘, Georg S. 56‘, Erik V. 60‘).

In der 64. Minute schließlich konnten Team und Anhänger den hochverdienten und längst überfälligen Ausgleich durch unseren Spieler-Trainer bejubeln. Aus halbrechter Position im Strafraum versenkte Falko G. das Leder sicher mit einem gezielten Vollspannschuss in der linken unteren Ecke des gegnerischen Tors.

In der Folgezeit musste unser Team dem hohen Tempo, den heißen Temperaturen, dem aufopferungsvollen Kamp und der unbarmherzig brennenden Mittagssonne Tribut zollen. Gegnerische Chancen blieben jedoch Mangelware, und brenzlige Situationen konnten immer durch das laufstarke Mittelfeld, die gut stehende Verteidigung oder den stets sicher agierenden Torwart bereinigt werden. Somit blieb trotz des großen Kräfteverschleißes die Zweite des Roten Sterns das spielbestimmende Team, und erspielte sich in der Schlussphase immer wieder gute Gelegenheiten um den Platz doch noch als Sieger zu verlassen (Falko G. 70‘, Erik V. 71‘ u. 75‘, Christian T. 76‘, Johannes F. 90‘).

Leider wurden die Bemühungen unserer Kicker bis zum Schlusspfiff des sehr guten Schiedsrichters nicht mehr belohnt, und somit gelang es dem Gegner von der BSG KAB Berlin einen überaus schmeichelhaften Punkt aus dem Stadion Buschallee zu entführen.

Zusammenfassend ist das erste Spiel des Teams vom RSNOB II, welches sich erst in der letzen Spielzeit in der TU-Liga fand, als sehr positiv zu betrachten. Vieles sah schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison sehr gut aus. Kleinigkeiten gilt es im Training noch zu verbessern, die Mannschaft wird sich in den kommenden Spielen noch besser einspielen. Die Sicherheit kommt mit der Spielpraxis, das sich lichtende „Lazarett“ jedoch und nicht zuletzt der starke Kampf- und Teamgeist stimmen zuversichtlich für die anstehenden Aufgaben in Liga und Pokal. Auf diese gute Leistung und den zu recht mit den treuen Fans gefeierten ersten Punkt (wenn auch mit fadem Beigeschmack, da man über 90 Minuten das bessere Team war) kann aufgebaut werden!

Auf ein Neues am kommenden Samstag an selber Stelle zu gleicher Zeit, wenn es in der ersten Runde des Holger-Blichmann-Pokals gilt den TSV Helgoland 97/FZ zu schlagen.

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Der Pokal steht vor der Tür!

Übernommen von den Ultras…

Am gestrigen Abend lud der Verband für Freizeit-Fußball e.V. (VFF) zur Auslosung der kommenden Pokalspiele für den Berliner Freizeitbereich ins Casino des Berliner Fußball-Verband ein. Dabei ging es konkret um die Auslosung der ersten Pokalspiele im Zeitraum vom 22. bis 28. August 2011 für die Bereiche Klein- und Großfeld. Die Kleinfeldauslosungen für Ü40-Mannschaften war für unsere Roten Sterne nicht von Belang.

Spannender wurde es bei der Auslosung für die Begegnungen auf dem Großfeld, da die Sterne aus dem Nordosten in dieser Saison 2011/12 das erste Mal mit zwei Teams am Start sind. Unsere 1. Mannschaft hatte Losglück. Bedingt durch eine hohe Anzahl an Freilosen kann sie sich noch schonen, da sie automatisch eine Runde weiter ist.

Die zweite Mannschaft tritt in ihrem ersten Holger-Blichmann-Pokalspiel gegen den höherklassigen TSV Helgoland 97/FZ auf heimischen Grund an. Helgoland ist für uns kein Neuling. In der letzten Saison hat die erste Mannschaft zweimal gegen diesen Gegner gewonnen. Einmal 5:1 heim und 9:0 auswärts.

Selbstverständlich unterstützen wir die zweite Mannschaft, damit sie diese Siegesserie nahtlos fortsetzen kann. Der genaue Termin des Pokalspiels wird noch bekannt gegeben…

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Bauch, Beine, Po! 2.0

So, dieses Motiv gibt es jetzt neu bei eurem Ultra des Vertrauen.
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Arbeitersport in Deutschland. Teil IV.

Das Ende der Überparteilichkeit 1928.

Die Spaltung der Arbeiterbewegung Ende der zwanziger Jahre, der vertiefte Graben zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten und der aufkommende Stalinismus konnten auf die Dauer nicht ohne Wirkung auf die Arbeiterkultur- und Sportorganisationen bleiben. Bisher waren diese Organisationen weitgehend überparteilich organisiert. Aber ähnlich wie bei den Gewerkschaften kam es im Laufe der zwanziger Jahre erst zu sehr heftigen politischen Kämpfen zwischen den verschiedenen Lagern und letztendlich zur organisatorischen Spaltung im Jahre 1928.

In der Zentrale des ATSB betrieben die führenden Sozialdemokraten eine Annäherung an die bürgerlichen Vereine. Sie verwässerten den Klassencharakter des Bundes und begannen mit Ausschlüssen von oppositionellen Mitgliedern und sogar ganzen Vereinen. Das Ziel war die Kommunisten und Ultralinken von der übrigen Mehrheit zu trennen. Gleichzeitig organisierten kommunistisch orientierte Arbeitersport- funktionäre wie Bruno Lieske und Paul Zobel – entsprechend den Direktiven der Roten Sport-Internationale (RSI) – 1923, 1925 und 1927 gegen den Willen der ATSB-Führung publikumswirksame Wettspielserien zwischen deutschen und sowjetischen Arbeiterfußballern mit zum Teil über 20.000-30.000 Zuschauern.

Die in der Presse ausgetragenen Auseinandersetzungen um diese „Russenspiele“ bildeten schließlich den Anlass für die Spaltung der Arbeitersportbewegung in einen sozialdemokratisch und einen kommunistisch orientierten Zweig. Die Streitigkeiten innerhalb der KPD führten zur selben Zeit zum Ausschluss der sogenannten Rechtskommunisten um den ehemaligen Parteivorsitzenden Heinrich Brandler. So wurden zum Beispiel Paul Zobel und Fritz Wiest aus der kommunistischen Reichssportfraktion ausgeschlossen. Beide waren zu dieser Zeit im Ostberliner Arbeitersport fest verwurzelt, gehörten nach ihrem Ausschluss der KPD (O) an.

Die Sportpolitik der KPD war ebenso wie die Gewerkschaftspolitik, eigene Organisationen zu schaffen, fein säuberlich von denen der sozialdemokratischen Arbeitern getrennt. Hans Pfeiffer formuliert das Ziel der kommunistischen Mehrheitsfraktion 1928 wie folgt:

Die Sozialdemokratie hat vor 35 Jahren die Arbeitersportbewegung gegründet. Die KPD ist heute stärker als die SPD damals. Warum sollten wir nicht ebenfalls eine Arbeitersportbewegung aufrichten können?

Diese neue Linie führte zu heftigen Auseinandersetzungen in den Sportfraktionen der KPD. Die linientreuen Funktionäre suchten nun Vorwände für weitere ‚nicht-bundestreue‘ Veranstaltungen und lieferten damit der sozialdemokratischen Führung des ATSB die willkommenen Ausschlussgründe für ganze Vereine. In einem Jahr – bis Mitte 1929 – wurden etwa 350 Vereine mit ungefähr 20-30.000 Arbeitersportlern ausgeschlossen, besonders betroffen waren Berlin, Halle und das Rheinland.

Den ausgeschlossenen Vereinen wurde jedoch dann ihre Sport-Tätigkeit von den bürgerlichen Verwaltungen erschwert durch den Entzug der Turnhallen und Sportplätzen oder der Fahrpreisermäßigungen. Das wiederum führte dazu, dass manche dieser Vereine sich bürgerlichen Vereinen anschlossen. Während zeitgleich zahlreiche kommunistische Sportfunktionäre sich lieber in Gegensatz zur KPD stellten, anstatt aus ihren alten Vereinen auszutreten.

Zwei Jahre nach Beginn der Spaltungspolitik konnte der führende Sozialdemokrat Fritz Wildung auf dem 11. Bundestag des ATSB behaupten, der Bund sei in den Mutterschoß der SPD zurückgekehrt, aus dem er hervorgegangen sei. 34.000 Mitglieder in 594 Vereinen waren ausgeschlossen worden. Die von der KPD ins Leben gerufene Sportorganisation wurde in Kampfgemeinschaft für die rote Sporteinheit umbenannt und überall offen Kurs auf Schaffung eigener Vereine genommen, was jedoch nicht viel Zulauf brachte.

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Fritz Wiest
Nach der Volksschule lernte er als Gürtler, trat 1910 dem Deutschen Metallarbeiter-Verband bei. Er war im Arbeitersport, bei den Naturfreunden und in der Arbeiterjugend aktiv. 1913 trat er der SPD bei und gehörte dort dem marxistischen Flügel an. Er war als Soldat im ersten Weltkrieg und wurde schwer verwundet.

1918 wurde er wegen seiner Aktivität im Spartakusbund verhaftet. Nach der Märzaktion 1920 wurde er mit der Stuttgarter Bezirksleitung der KPD erneut für kurze Zeit verhaftet. Ab 1922 war er beim ZK der KPD angestellt, wo er zuständig für den Arbeitersport war. Anfang 1929 aus der KPD ausgeschlossen, war er dann in der KPD(O) aktiv. Als Arbeitersportler wandte er sich gegen den Kurs der reformistischen Führung des ATSB und zugleich gegen die neue Politik der KPD, die auf die Gründung selbstständiger roter Sportvereine abzielte. Im Oktober 1930 wurde er u.a. deshalb aus dem ASV Fichte ausgeschlossen.

Danach versuchte er in seinem Stadtteil in Ost-Berlin, die Arbeiterorganisationen zu gemeinsamen Aktionen gegen die nationalsozialistische Gefahr zu mobilisieren. Nach 1933 illegal aktiv, emigrierte er schlussendlich nach England. Erst 1957 kehrte er als Rentner nach Deutschland zurück und verstarb 1983 in Stuttgart.

Paul Zobel
Paul Zobel zählte in der Weimarer Republik zu den führenden Mitgliedern der kommunistischen Arbeitersportbewegung. Er trat u.a. als Sportredakteur hervor, war Abgeordneter im Preußischen Landtag für die KPD und Mitglied der Reichsleitung im Bereich Sport. Ende der zwanziger Jahre aus der KPD ausgeschlossen, schloss er sich der kommunistischen Opposition an.

Bereits im Februar 1933 kurz inhaftiert, verschleppte man ihn im Juli ins KZ Sonnenburg, wo er erst im Dezember 1933 freigelassen wurde. Mit Hermann Tops arbeitete er Ende der 30 Jahre in der von Robert Uhrig gebildeten Gruppe mit, konnte aber bei deren Zerschlagung unentdeckt bleiben. Über den Sportfunktionär Bernhard Almstadt stieß Zobel dann zur Saefkow/Jacob-Gruppe. Im Juli 1944 verhaftet und ins KZ Dachau transportiert, verstarb er dort infolge der Misshandlungen und Entbehrungen am 22. März 1945.
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Darüber hinaus wurde der Fraktionskampf innerhalb der KPD gegen die sogenannten ‚Rechten‘ in die neugegründeten Vereine hineingetragen. So wurde z.B der größte deutsche Arbeitersportverein Fichte Berlin allmählich gesäubert. Die oppositionellen Kommunisten gründeten dann die Freie Sportvereinigung Fichte (FSF) und kehrten schlussendlich zum ATSB zurück.

Wenig später zeigte sich, dass die staatlichen Organe die bundestreuen Vereine ähnlich benachteiligten, u.a. durch erhöhte Besteuerung, ungerechte Verteilung der öffentlichen Mittel und die Verdrängung von den Sportanlagen der Reichswehr. So waren die Sportvereine beider Richtungen gleichermaßen in ihrer Existenz bedroht.

Doch anstatt den Kampf gegen Staat und die Nationalsozialisten gemeinsam in Angriff zu nehmen, setzten die IG für rote Sporteinheit und ATSB ihren Kampf gegen einander fort. Im letzten Jahr vor Hitlers Machtübernahme kam es außer dem immer heftigeren Nazi-Terror gegen Heime und Veranstaltungen der Arbeitersportler auch noch zu weiteren staatlichen Schikanen: Der Groener-Plan nahm konkrete Formen an mit der Bildung eines Reichskoratoriums für Jugend-Ertüchtigung, das schon recht offen die vormilitärische Ausbildung sowie einen Arbeitsdienst organisierte. Leider nahmen einige von der KPD-beherrschte Arbeitersportvereine und beinahe der gesamte ATSB an diesem Arbeitsdienst teil.

Ähnliche Entwicklungen der Polarisierung und Spaltung hat es im gesamten Netz der überparteilichen Arbeiter-Organisationen gegeben: Ob nun Internationaler Bund der Opfer des Krieges und der Arbeit, die proletarischen Vereine für Sexualaufklärung, Arbeiter-Samariter-Bund, oder Freidenkerverband, sogar der Arbeiter Mandolinisten-Bund wurde gespalten. Genutzt hat es am Ende leider niemandem, außer den Nationalsozialisten…

Zur Sonne.Zur Freiheit! Ausgabe 7

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Arbeiterfußball in Deutschland. Teil III.

Die Jahre 1920 bis 1923

Drei Formen des friedlichen Klassenkampfes kannte die Arbeiterbewegung bis 1933 (zumindest in der Theorie): Den von Gewerkschaften und Genossenschaften geführten ökonomischen Kampf, den politischen Kampf durch die linken Parteien und schließlich den Kulturkampf, der die gewünschte Weltanschauung befördern sollte. Zur dritten Kategorie gehörte wegen der mit ihm verbundenen Agitation der Arbeitersport. Sport diente im linken Lager also nicht nur der Ablenkung von den oft bedrückenden materiellen Verhältnissen.

Darüber hinaus sollte er gesundheitlichen Schäden vorbeugen, die sich aus einseitiger Belastung bei der Lohnarbeit, schlechten Wohn- verhältnisse, Armut und Unterernährung ergaben. Arbeiterfußball steigerte bei fairer Spielweise Lebenskraft und Lebensfreude und diente dadurch dem Erhalt der Arbeitskraft, dem einzigen Kapital des Proletariers.

Mengenverhältnis von ATSB- und DFB-Kickern

Der Arbeitersport boomte wie das bürgerliche Lager in den 1920er Jahren, konnte seinen Rückstand in der Mitgliederentwicklung aber nicht aufholen. Der bürgerliche Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA) gab am 5. Mai 1925 bekannt, dass den ihm angeschlossenen 46 Sportverbänden (darunter DFB, Deutsche Turnerschaft usw.) 41.751 Vereine 5,6 Mio. Mitglieder angehörten. Dieser Masse standen immerhin 1,2 Mio. proletarisch organisierte Sportler gegenüber. Die Diskrepanz zwischen dem Stimmanteil der Linken bei Reichstagswahlen und ihrer prozentualen Unterstützung der linksgerichteten Sportbewegung war im Fußball besonders krass. Die Mitgliederzahl im DFB lag während der Weimarer Zeit immer etwa zehnmal höher als im Arbeiter-Turn- und Sportbund, der auch nicht umhin kam, dies zuzugeben. In der ATSB-nahen Sportpolitischen Rundschau vom 15. April 1928 wird der Anteil an Proleten und kleinen Angestellten in bürgerlichen Vereinen auf 80 geschätzt, bei den Spielern sogar auf 95 Prozent!

Interessanter Weise nahmen also die allermeisten links wählenden Fußballfreunde lieber bürgerliche Angebote wahr, also die des vorgeblichen Klassengegners. Vielleicht identifizieren sie sich nicht restlos mit ihrer Klasse, litten sogar an ihrer Zugehörigkeit, hegten im Stillen den verständlichen Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg. Oder sie genossen einfach den höheren Unterhaltungswert im DFB-Liga-Zirkus, der durch Starkult, Ansätze von Merchandising sowie eine aktuelle und gut aufgemachte Sportpresse zusätzlich befeuert wurde.

Obwohl es keine Vergleiche zwischen hochklassigen Vereinen der beiden Verbände gab, darf man wohl annehmen, dass die führenden DFB-Mannschaften klar besser waren, als die führenden ATSB-Teams. Im bürgerlichen Fußball bekamen die Spitzenkönner für ihre Bemühungen heimliche finanzielle Zuwendungen, Anstellungen bei wohlhabenden Mäzenen oder eigene Geschäfte. Im Kicker fanden sich damals Inserate wie diese: „Tüchtiger Maschinenmeister und Schriftsetzer für größere Druckerei nach Norddeutschland gesucht. Guter Fußballspieler (Innenstürmer) bevorzugt.“ Oder: „Erstklassiger Spieler sucht Laden oder Stellung als Filialleiter (Zigarrengeschäft)“. Im Arbeiterfußball waren diese Formen verdeckten Berufssports verpönt und auch gar nicht möglich. Den proletarischen Ballathleten blieb konsequenter Weise nur übrig, weiter in den Betrieben ihrer Ausbeuter zu arbeiten – wenn sie ideologisch sattelfest waren.

Ein Arbeiterfußballer, der das nötige Können hatte, konnte zu einem DFB-Verein wechseln – und viele taten das auch, um ihre ökonomische Stellungen zu verbessern – ging dadurch aber seiner ursprünglichen Bewegung verloren. Und es gab noch einen gewichtigen Grund für DFB-Fußball: Er bot eine patriotische, aber wohltuend unpolitische Nische in einer Zeit, die durch Klassenkämpfe und politische Instabilität gekennzeichnet war.

Zudem steckten bürgerliche Vereine ihre Einnahmen vor allem in die Anschaffung von Sportplätzen, Spielgeräten und vielleicht auch in das Gehalt eines Sportlehrers. Arbeitervereine mussten von ihrem ohnehin schmalen Budget auch noch etwas für politische Propaganda abknapsen. Die meisten Proleten wollten wahrscheinlich einfach mal abschalten und nicht auch noch im Sportverein agitiert werden. Von den Mitgliedern der ATSB-Vereine wurde aber politisches Engagement erwartet, wenigstens die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft, besser noch aktive Beteiligung bei Wahlkämpfen, Demonstrationen und Agitationen. Das schmeckte gerade den freiheitsliebenden Fußballern nicht so besonders. In der Presse des Arbeitersports wird immer wieder beklagt, dass die eigenen Kicker für politische Arbeit zu undiszipliniert seien, bei Großkundgebungen durch Abwesenheit glänzten und lieber gleichzeitig auf dem Fußballplatz herumtollten, wo sie die böse Welt um sich herum ausblendeten. Tatsächlich finden sich unter den heute noch bekannten Namen von Antifaschisten, die aus dem Arbeitersport hervorgingen (Werner Seelenbinder, Paul Zobel, Bruno Plache, Willi Sänger, Hanns Zoschke, Paul Greifzu etc.), vor allem Turner und Zweikämpfer, aber kaum Fußballer!

Fast ein neuer Zuschauerrekord in Leipzig

Im vorigen Teil unserer Serie holte der TSV Fürth 1920 die erste ausgetragene Bundesmeisterschaft im deutschen Arbeiterfußball. In der darauf folgenden Saison konnte er sich nicht für die Titelverteidigung qualifizieren. Und auch im Bereich der Märkischen Spielvereinigung MSV kam es zu Wachablösungen. Der vorjährige Lausitz-Meister TuS Süden Forst wurde vom Ortsrivalen Tasmania Forst entthront, in Berlin siegte im Norden der BFC Nordiska von 1913 und im Süden der Neuköllner SC „Rüstig Vorwärts!“ von 1913.

Im Osten des MSV-Gebiets holte sich der Turnverein Jahn Landsberg/Warthe (heute Gorzów Wielkopolski) das Krönchen. Aus dem Kreise dieser vier Bezirksmeister holte der auf dem Exerzierplatz „Einsame Pappel“ (heute Jahn-Sportpark) ansässige BFC Nordiska den MSV-Titel von 1921, anschließend auch die Ostdeutsche Meisterschaft durch ein 3:2 gegen die Freie Turnerschaft Breslau-Süd, schließlich zog Nordiska sogar ins Endspiel um die Meisterschaft des ATSB ein.

Hier aber unterlagen die Nordost-Berliner am 10. Juli 1921 dem Arbeiter-Turn und Sportverein Stötteritz aus Leipzig glatt mit 0:3. Das Finale fand in Dresden an der Saalhauer Straße vor 4.500 Zuschauern statt. 1922 hieß der MSV-Meister Lichtenberger SC Brandenburg von 1902. Das Gründungsjahr, nach alter deutscher Sitte praktischerweise im Vereinsnamen stehend, zeigt an, dass der Verein schon vor Einführung des Arbeiterfußballs existierte. Tatsächlich trat der in Rot-Weiß auflaufende LSC Brandenburg 02 zunächst im Verband Brandenburger Ballspielvereine VBB (heute Berliner Fußballverband) an, ehe er im Schwung der Novemberrevolution mit dutzenden anderen Clubs zur MSV übertrat. Auch in der Ostdeutschen Meisterschaft triumphierten die Lichtenberger, wobei die Gegner wie üblich aus Stettin und der Lausitz kamen und nicht ganz an das Berliner Leistungsniveau heranreichten.

Die ATSB-Endrunde kam diesmal im Rahmen des I. Arbeiter-Turn- und Sportfestes in Leipzig zur Austragung. Auf dem Vorwärts-Platz in Connewitz schied Berlins Hoffnung gegen Vorjahres-Champion Stötteritz nach 0:3 Toren aus. Während des Endspiels auf dem Turnfestplatz (in der Nähe der Deutschen Bücherei) befanden sich etwa 50.000 Arbeiterturner und –sportler auf dem Gelände. Da es aber nur Tribünenplätze für wenige Tausend gab, werden die meisten Anwesenden nicht so viel vom Spiel gesehen haben. Andernfalls wäre es der damalige Zuschauerrekord im deutschen Fußball gewesen. Wie auch immer, der ATSV Stötteritz gewann 4:1 gegen Kassel 06 und verteidigte damit die höchste Fußballkrone des ATSB.

Hattrick für Stötteritz

1923 gab es mal wieder einen neuen Meister in der Märkischen Spielvereinigung. Diesmal setzte sich der erst im Vorjahr gegründete BFC Alemannia von 1922 durch, errang auch ungefährdet die Ostdeutsche Meisterschaft, schlug anschließend in der ATSB-Vorrunde Komet Altona-Klein Flottbeck 1:3 – übrigens im Stadion Altona, heute steht an jener Stelle das HSV-Stadion – und ehe die Alemannen sich versahen, standen sie auch schon im Bundesfinale. Hier lauerte erneut Branchenprimus ATSV Stötteritz. Doch vor dem Anpfiff musste man sich noch für einen Spielort entscheiden. In Berlin wurde als solcher das Stadion Lichtenberg annonciert, dann aber auf Weisung der in Leipzig ansässigen ATSB-Führung ein Platz im dortigen Eutritzsch angesetzt. Dort fand das Endspiel am 1. Juli 1923 auch statt. Stötteritz siegte vor immerhin schon 7.500 Zuschauern 1:0 über Alemannia. Die legte aber Protest gegen den Spielort ein, und so kam es eine Woche später zur Wiederholung in Berlin auf dem Platz von Norden-Nordwest.

Stötteritz bestritt noch am Vortag der Revanche ein Freundschaftsspiel, der Gegner aus Aussig zählte zur Spitze des sudetendeutschen Arbeiterfussballs, verlor aber in Leipzig-Stötteritz 0:5. Nach der Feier mit den Gästen, bei der sicher auch die Kehlen gut geölt wurden, ging es nach kurzer Nachtruhe per Zug in die deutsche Hautstadt und von dort, um Geld zu sparen, zu Fuß vom Anhalter Bahnhof zum NNW-Platz in Gesundbrunnen. Die Märkische Spielvereinigung hatte als Veranstalter auf bis zu 15.000 Zuschauer gehofft, doch bei Temperaturen um 40 Grad im Schatten fanden sich nur 3.700 ein. Die Wiederholung begann mit allen Feierlichkeiten wie das Spiel vor einer Woche, doch aus der Revanche wurde nichts, denn der ATSV Stötteritz nahm seine Rolle als Hecht im Karpfenteich des Arbeiterfußballs ernst und gewann diesmal sogar 3:1. Das Ehrentor für Alemannia 22 resultierte auch nur aus einem Elfmeter.

Während es damals in den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft des DFB immer wieder zu wahren Schlachten mit Fouls und Verletzten bis zum Abwinken kam (im Vorjahr fiel wegen solchen Umständen die reguläre Entscheidung zwischen Nürnberg und dem Hamburger SV aus), zeugt die folgende Zeitungsnotiz von einer anderen Ethik: Siegen ja, aber nicht um jeden Preis!

Alemannia spielte durchaus anständig und gab ebenfalls einen Beweis von echtem Arbeitersportgeist. Der sonst sehr gute, umsichtige Schiedsrichter, Genosse Bühring-Magdeburg, fällte einmal eine zu scharfe Entscheidung.

Einem Stötteritzer Spieler war die Hose heillos geplatzt. Er sprang hinaus, zog eine Reservehose über und trat wieder ein, sich beim Schiedsrichter meldend. ‚Sie haben sich nicht abgemeldet, ich kann Sie nicht mehr spielen lassen‘, sagte dieser. Er protestierte selbstverständlich in höflichster Form – der Stötteritzer Spielführer. Der Schiedsrichter befragte den Alemannia-Spielführer, ob er den Mann weiterspielen lassen wollte. Ohne Besinnen sagte dieser ‚Ja!‘ Bravo! Das zählt mehr als ein Sieg!

Freie Sportwoche vom 25. Juli 1923

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Zur Sonne. Zur Freiheit! Nummer 7

EDITORIAL.

Zum Mitschreiben: Leider folgen viele falschen Vorbildern und lern‘s nie. Das Publikum zu rocken, dass auf einer anderen Frequenz liegt. Was uns nicht betrifft, da man unsere Ideen liebt! Und Sachen sieht, die sich der Vorstellungskraft vieler Linker entzieht.

Der Magen knurrt wie Sau, ich hau ab aus meinem Bau. Verschließ die Tür, ziehe durchs Revier, markiere hier und da mal, dass wir da warn…

Refrain? Refrain, äh ja egal, der Refrain ist fett, der Refrain ist fett: Und wenn alle Stricke reißen, dann sind wir endlich den Galgen los. Oder so ähnlich. Herbert: Wo ist bloß das nächste Bier? Danke, …ey Adelskrone yeah, Prost!

Zwei Monate keine Sonne. Zwei Monate keine Freiheit! Sorry Mädels, wir waren in der inneren Emigration. Ein gesunder Winterschlaf ist bekanntlich die Voraussetzung für ein erfolgreiches Jahr. Wer denkt, dass man einfach immer alles bekommt im Leben, wenn man nur bereit ist immer einen Fick zu geben: Der liegt eindeutig daneben! Auch wir leiden unter dem Boykott der ersten Mannschaft. Auch wir wollen mit jedem, dem der Stern am Herz liegt, Freundschaft.

Genug der schlechten Reime, jetzt gibt es, jawohl, Klartext: Der Boykott gilt noch. Die Gründe sind beim Ultra eures Vertrauens nachzufragen. Aber wer denkt jetzt Trainer, Spieler oder andere Verantwortliche mit Haßtriraden belegen zu können, der täuscht sich gewaltig!!

War sonst noch etwas? Lybien bleibt grün, Württemberg wird es und in Tschernobyl lernen sie gerade japanisch. Völkerverständigung auf höchstem Niveau: Der Kapitalismus macht es möglich.

Zum Heft: Rechtschreibfehler und Formulierungsfallen sind absichtlich eingebaut um den Leser zu irritieren. Wir setzen natürlich unsere Arbeitersportserie fort, es gibt Kommentare zu den Themen Liebig 14, Extremismusdoktrin und am Ende wird noch eine Menge literarische Finesse in unserem Fortsetzungsroman geliefert.

Noch Fragen? Nö! Ultras Roter Stern (B)

INHALTSVERZEICHNIS

Seite 3
Das Ende der Überparteilichkeit: 1928
Arbeitersport in Deutschland. Teil Vier.

Seite 7
Schönes Leben. Schicke Läden.
vollzitiert von teilnahmebedingungen.blogsport.de

Seite 12
Deutsche Demokraten.
Foul gegen Linksaußen. Faul gegen Rechtsaußen.

Seite 14
Der.Die.Das. Wieso.Weshalb.Warum
Der Neid, die Gier und das Unverständnis… Teil EinsPunktDrei

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Foul gegen Linksaußen. Faul gegen Rechtsaußen.

Es war mal wieder soweit: wohlfeile Worte werden dem versammelten Publikum feilgeboten, wie sonst nur auf Beerdigungen. „Agieren statt reagieren“, „Vernetzung statt Einzelaktionen“ und „konsequentes Vorgehen“ sind die Phrasen des Abends. Worum geht es? Die sogenannten Spitzen aus Sport und Politik wollen mal wieder ihre Absicht unterstreichen, “künftig noch enger und entschiedener gegen jegliche rechtsextremistische Erscheinungsformen vorzugehen.

Bei der Eröffnungsveranstaltung zur Kampagne ‘Foul gegen Rechtsaußen – Sport und Politik verein(t) für Toleranz, Respekt und Menschenwürde’ im Januar diesen Jahres ging es also mal wieder um den ganz großen Wurf. Angetreten zum Stammeln gegen Rechts waren solch wichtige Koryphäen wie der DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach, der DFB-Präsident Theo Zwanziger, der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière und die Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder. Allein diese prominente Besetzung sollte dem geneigten Beobachter demonstrieren, hier wird heute Geschichte gemacht…

Damit dies auch keiner der Mitwirkenden jemals in seinem Leben vergisst, wird ein Handlungskonzept unter dem wundervoll knackigen Titel: „Verein(t) gegen Rechtsextremismus – Handlungskonzept von Sport und Politik zur Förderung von Toleranz, Respekt und Achtung der Menschenwürde“ in das virtuelle Netz gestellt. Darin geht es, wie so üblich in solchen Publikationen, hauptsächlich um eine “bessere Vernetzung“, um die “Effektivität im Handeln” sowie um weitere “Problembereiche” der holden Zivilgesellschaft…

Hauptanliegen dieses Rahmenplanes ist es, die Aktivitäten gegen rechtsextremistische Erscheinungsformen im Sport besser zu verzahnen und so durch möglichst flächendeckende Maßnahmen noch effektiver als bisher zu bekämpfen. Im Rahmen dieser abgestimmten Strategie sollte auch der zentrale sportliche Wert des Fair Play in den Vordergrund rücken. Werte wie Respekt, Achtung und Toleranz sind ebenso entscheidende Elemente im Umgang mit rechtsextremistischen Erscheinungsformen im Sport wie der Abbau von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sowie die Wertschätzung demokratischer Prinzipien. Ausgangspunkt muss die Zurkenntnisnahme dieses Problembereiches und das Überwinden der im Sportbereich noch häufig vorhandenen Berührungsängste sein.Auszug aus dem Kapitel Ziele und Vorgehensweise.

Um die gesamte Sache noch etwas optisch nach vorne zu bringen, mussten halbwegs bekannte Sportler mit Pappschildern bewaffnet die Wortwüste illustrieren. Dabei kamen solche Brüller wie „Null Bock auf Rechtsextremismus und Diskriminierung!“, “Sei Teamplayer!” oder “Rechtsaußen ist nur als Spielposition okay.” heraus. Über Geschmack kann man sich ja bekanntlich streiten…

Doch was ein Schild mit der Aufschrift “Kein Bock auf Extremismus im Sport” in einem Handlungskonzept gegen Rechtsetremismus zu suchen hat, bleibt wohl ein Geheimnis des Innenministeriums. Es bleibt ebenso ein Geheimnis, wie man im Ministerium gedenkt der vielen hehren Worten endlich Taten folgen zu lassen. Explizit antirassistische Sportvereine die regelmässig neonazistischen Angriffen ausgeliefert sind werden kaum von den regionalen Sportverbänden unterstützt, ihnen werden sportlich erfolgreichere Vereine vorgezogen und sie bekommen von den jeweiligen Stadtverwaltungen andauernd Steine in den Weg gelegt…


Vorabveröffentlichung aus Zur Sonne. Zur Freiheit! Nummer 7

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Ein Sonderbrief für Pankow.

Zwischen Fans des VFB Einheit Pankow und dem Roten Stern Nordost Berlin gab es heftige Diskussionen am Spielfeldrand und im Internet, da es bei einem Pokalspiel zwischen Einheit Pankow und Türkiyemspor Berlin am 06.10.10 zu diskriminierenden Parolen Seitens der 30 angereisten Pankower Fans kam.

Die Diskussionen wurden und werden leider sehr heftig geführt und sind emotional sehr stark aufgeladen – am Spielfeldrand, wie auch in einem Beitrag der ‘Ultras Roter Stern’ im Internet über das Pokalspiel.

 Hier kritisierten Teile der Fans Sprechchöre wie z.B. „Wieder mal kein Tor für Türkiyemspor“. Die Parole ist eine Textzeile der verbotenen neonazistischen Band Landser. Das diese von den knapp 30 Anhängern des VFB Einheit gerufen wurde, steht außer Frage, wie damit umgegangen wird dann schon eher.

Dass die Fans des Roten Sterns in ihrem Beitrag überreagierten und unsachliche Pauschalisierungen und Verallgemeinerungen von sich gaben, steht für die Verantwortlichen ebenso außer Frage.

Da der Rote Stern nicht will, dass sich die beiden Fanlager „bekriegen“ wurde Einheit Pankow in einem Brief auf den Beitrag aufmerksam gemacht und ein Gesprächsangebot unterbreitet. Die Sterne fragten wie mit dieser Situation umgegangen werde. „Auf eine Antwort warten wir bis heute. Da es keine Reaktionen seitens des VFB Einheit gab entsteht bei uns der Eindruck, dass diese das Problem gar ignorieren wollen“, so Julius Martin, Pressesprecher des Roten Stern Nordost Berlin.

 Quelle: love sport -hate neonazism!

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45 Minuten weniger, wären drei Punkte mehr…

Draußen ist es eiskalt. Samstag früh irgendwo im Nordosten, es geht zum Fußball, während der Rest freiwillig in den Winterurlaub gefahren ist. Die S-Bahn fährt mal wieder regelmässig, unregelmässig und es geht tief in den Süden Berlins. Also dorthin wo selbst die Sonne keinen Bock auf einen Besuch hat…

Die Rasenanlage von Sperber Neukölln ist spartanisch, ebenso die Gegend drumherum. Wellblechpaläste für konsumorientierte Heimwerker, eine Autobahnzufahrt (oder war es doch die Abfahrt?) und hier und da eine Handwerkerbutze. Nach Stadt sieht es hier nirgends aus, erstrecht nicht nach Welt.

Einige Jungs von der zweite Mannschaft benehmen sich, als hätten sie heut Morgen erst die Kneipe verlassen. Restalkohol strömt wie billiges Parfüm aus ihren Mündern. Bei den Fans ist es ähnlich: Gerstenkaltschalle satt, am Vorabend, ebenso wie jetzt. Man soll ja bekanntlich da weitermachen, wo man aufgehört hat. Oder wie Muttern sagt: Schuster bleibt bei deinen Leisten.

Auf dem Spielfeld entwickelt sich schnell ein rasantes Match mit leichten Vorteilen für unsere Goldfüße. Ständig über außen vorgetragene Angriffe und ein kompaktes Abwehrverhalten zeigen deutlich die Handschrift des neuen Trainers. Die Spieler vom FC Zülle haben große Schwierigkeiten in der ersten Halbzeit, so dass unsere Roten Sterne völlig verdient mit 2:0 in die Halbzeitpause gehen.

Nach der Pause läuft das Spiel genau andersherum. Während der FC Zülle einen Angriff nach dem anderen fährt, verharren unsere Goldfüße weithin in Lethargie. Zuviele Ballverluste im Mittelfeld, die nachlassende Ausdauer und eine sich auflösende Mannschaft bedeuten in der zweiten Halbzeit 4 unnötige Gegentore. Das Fazit: 45 Minuten weniger, wären drei Punkte mehr gewesen…

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